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Billy Talent - Crisis of Faith (28.01.2022)


Vorwort:

Als Sänger „Benjamin Kowalewicz“ und Bassist „Jonathan Gallant“ bei einem Bandwettbewerb der 90er Jahre auf Gitarrist „Ian D’Sa“ und Drummer „Aaron Solowoniuk“ trafen, ahnte noch niemand, dass mit diesem Treffen eine der größten Rock-Bands unserer Zeit geboren wurde. Unter dem Namen „Pezz“ veröffentlichten die vier kanadischen Musiker 1998 ihr erstes Album „Watoosh!“ in Eigenregie. Ein Jahr später folgte durch einige Unstimmigkeiten mit einer gleichnamigen Band die Umbenennung in „Billy Talent“. Nur kurz darauf verschaffte ihnen die Produzentin der größten Rock-Radio-Show in Toronto einen Record-Deal bei „Warner-Records“. Die ersten 3 Studio-Alben erschienen zwischen 2002 und 2008 und verschafften der kanadischen Band mit Songs wie (Try Honesty, Fallen Leaves, Devil in a Midnight Mass, Devil on my Shoulder, Rusted from the Rain) internationale Bekannt- und Beliebtheit. 2012 wurde dann mit „Dead Silence“, das vierte Studioalbum veröffentlicht, auf welches 2014 „Hits“und ein Jahr später der fünfte Long-Player „Afraid of Heights“ folgten. Schon kurz darauf verließ der ursprüngliche Drummer aufgrund einer schweren MS-Erkrankung die Band und wurde durch „Alexisonfire-Drumer Jordan Hastings“ ersetzt.

Mit dem Release ihres neuesten Werks „Crisis of Faith“ begann die Band bereits im November 2019 mit „Forgiveness I+II“ und veröffentlichte insgesamt 3 weitere Singles (Januar 2020 „Reckless Paradise“ / April 2020 „I beg to Differ" / September 2021 „End of Me feat. Rivers Cuomo von Weezer“) bis Ende 2021. Seit dem 28.01.2022 ist nun endlich das ganze Album erhältlich und zeigt einige neue Facetten der vier Musiker. Doch lange Rede kurzer Sinn, werfen wir einen Blick auf das neueste Werk von „Billy Talent“.


Review:

Mit HiHat, cutted Rims und einem WahWah auf der Gitarre, eröffnet „Forgiveness I+II“ ungewohnt experimentell die neue „Billy Talent“ LP. Ein kerniger Bass bringt den Auftakt, bevor wir das volle Frequenzspektrum abbekommen und die Show beginnt. Und schon jetzt bekomme ich das was ich an dieser Band so sehr schätze: Die Songs erzählen eine Gesichte und zu Dieser wurden gleich zwei Story-Videos gedreht. Mit 6:41 der bisher längste Track in der Gesichte der Band, ist er in zwei Abschnitte unterteilt. Während die Nummer von stimmungsvollem Aufbau bis hin zu „Billy Talent“ typischen und grandiosen Refrains - By the Way, mein absoluter Lieblings-Chorus auf dem Album - alles bietet was ich mir wünsche, dreht sich der gesamte Sound ab 3:44 komplett um und erscheint eher wie ein Traum, leicht diffus und sphärisch. Richtig hellhörig werde ich als gefühlt zum ersten Mal in einem Song der Kanadier Bläser auftauchen. „Spannende neue Elemente“ denke ich mir und lasse mich wieder von dieser „dreamy“ Stimmung, welche durch einen leicht verwaschenen Phaser-Effekt auf der Stimme untermalt wird, tragen und fühle mich teilweise als würde ich gerade smoothem Bar-Jazz lauschen. Die verträumten Flächen verklingen und während ich kurz innehalte, startet der nächste Track.

Reckless Paradise“ klingt, fühlt sich an und ist einfach von Anfang bis Ende „Billy Talent“ wie ich sie kenne und liebe. Punkig und rebellisch stellt der Song einen Appell an die Gesellschaft dar. Er kritisiert unseren Rücksichtslosen Umgang mit unserem „luxuriösen/paradiesischen“ Leben. „Living a reckless paradise, The house is burning, trapped inside…“ PUNKTLANDUNG!

Mit Anlauf geht’s weiter zum nächsten Track und spätestens jetzt lande ich in der typischen „Summer-Sun-Festival-Stimmung“ in die mich diese Band immer wieder versetzt. „I Beg to Differ (This will get Better)“ ist einfach eine wunderschöne „Billy Talent“- typische Rock-Ballade die Lust auf Sommer, Sonne, Gemeinschaft, oder aber ganz einfach Bock auf mehr macht. Und ganz genau wie beim Vorgänger, glänzt hier die Gitarrenarbeit von „Ian D’Sa“ und gibt dem Song den für die Band typischen Flair. Textlich richtet sich der Song sehr klar an all jene Menschen, die sich von Zeit zu Zeit in sich selbst verlieren und spricht ihnen neuen Mut zu. Wirklich sehr schöne Arbeit! I LIKE!

Auf zu Nummer 4 und damit zum ersten Song der LP der keine Single war. „The Wolf“ heißt das gute Stück und beginnt Melancholisch und getragen. Schon recht bald zeigt er sich in einem leicht wehmütigen, aber dennoch versöhnlichen Gewand. Ganz so, als ginge es um einen schmerzlichen Abschied mit dem man sich aber zwangsläufig arrangiert und ausgesöhnt hat. Ungefähr so stelle ich mir die letzten Worte an einen geliebten Menschen vor. Zwischen Moll und Dur schwebend untermalt der Song diesen „wehmütigen Frieden“ perfekt. Bis zum Ende baut er immer weiter auf und endet mit Streichern untermalt in einem wunderschönen Crescendo.

Reactor“ startet half-time im Mid-Tempo mit Akkord-Geschrubbe. An dieser Stelle muss ich offen gestehen, dass das der einzige Song auf dem Album ist der mich persönlich aufgrund seines repetitiven Ablaufs nicht Abholt. Nichts desto trotz sprechen wir hier aber immer noch von grundsolidem Songwriting.

Die etwas getragenere Stimmung der letzten beiden Songs wird gleich zu Beginn der sechsten Nummer des Long-Players weggefegt. Energiegeladen, schnell und mit starker Punk-Note, kommt „Judged“ um die Ecke und könnte ohne Probleme im Soundtrack eines „Tony Hawk’s Pro Skater“ oder jedes anderen beliebigen Skate-Games landen. Auch wenn die Nummer nicht mit dynamischen Quantensprüngen beeindruckt, so überzeugt sie mich dennoch mit ihrer energiegeladenen Stimmung und reist mich mit. Zwar wird das sicherlich kein Dauerbrenner, aber zum Zocken, Skaten oder wie bekloppt auf einen Boxsack einprügeln um angestaute Aggressionen loszuwerden, dient die Nummer allemal.

Simpel, kraftvoll und mitreißend! Mehr braucht es ab und zu gar nicht.

HOOKALERT! „Hanging out with all the wrong People“ ist ein Ohrwurm wie er im Buche steht. Textlich und melodisch bleibt mir die Hook-Line auch lange nach dem Hören des Albums noch im Kopf. Ich, als kleiner Dynamik-Freak führe bei dieser Nummer einen regelrechten Freudentanz auf, denn endlich höre ich wieder einen typischen Billy-Talent-Song. Geile Gitarrenarbeit, schönes Riffing, schöne Rhythmik und hervorragende textliche und gesangliche Arbeit! Und auch hier gefällt mir (wie Oben bereits erwähnt)ausgesprochen gut, dass jeder Song von „Billy Talent“ immer eine Geschichte erzählt. Somit entsteht für mich bei dieser Nummer ein leicht traurig-dramatisch-chaotisches Gefühl und passend dazu wird die tragische Geschichte eines Jungen Mannes erzählt, der leider die falschen Freunde hatte. Aber das verrät ja der Titel schon sehr klar.

Wir kommen zum achten Song und damit zur nächsten Single-Auskopplung des Albums. Mit „End of Me“ präsentieren uns „Billy Talent“ zum ersten Mal in ihrer Karriere einen Gastmusiker und zwar keinen Geringeren als „Rivers Cuomo“, auch bekannt als Sänger der Band „Weezer“. Schon nach wenigen Takten bin ich mir sicher, dass das mein persönlicher Favorit des Albums ist. Hier ist für mich alles perfekt! Besonders hervorheben möchte ich aber die Gitarrenarbeit. GANZ GROßES KINO! Wieder ist die Story des Songs klanglich perfekt umgesetzt und wird dabei noch von der Stimmfarbe des Gastsängers bereichert. Absolut stimmiges Gesamtkonzept, welches die leicht schrullige, überforderte und dezent ausgelieferte Stimmung bzw. Situation widerspiegelt in der man sich befindet, wenn man hoffnungslos in jemanden verliebt ist aber genau weiß, dass diese Liebelei keine Zukunft hat. CHAPEAU!

Wer das mit der Liebe für sich gelöst hat, der hat wohl „One Less Problem“. Und genau das ist der Titel des nächsten Songs, welcher anfangs tatsächlich so wirkt als hätte man das Thema „hoffnungslos verliebt sein“ gelöst und befände sich jetzt in einer Art Aufbruchsstimmung. Doch weit gefehlt. Mit einer hoffnungslosen Liebelei hat der Song nämlich gar nichts zu tun. Viel mehr kritisieren die vier Musiker die Mentalität der „Symptom-Bekämpfung“ welche in unserer Gesellschaft ziemlich weit verbreitet ist. Dabei nutzen sie sehr schöne Metaphern um zu veranschaulichen wie sinnlos reine Symptombekämpfung, ohne die Bereitschaft zum Beheben der Ursache, ist. Zeilen wie „You take the pill but you can't relax, You break it off but you still feel trapped“ beschreiben sehr treffend in welcher Situation sich große Teile unserer Gesellschaft befindend und werden dann noch perfekt durch einen versteckten Lösungsansatz bzw. einen Denkanstoß „And if I fail, guess I'll learn some more, yeah“ ergänzt. Wer hier genau hinhört, kommt definitiv ins Grübeln, denn letztlich geht es immer darum was wir aus unseren Erlebnissen lernen können und nicht darum wie wir möglichst schnell und einfach unangenehme Symptome los werden. Kraftvoller Song, welcher gerade durch seine sehr Klare Botschaft und die passende Inszenierung glänzt!

Mit „For You“ kommen wir zum letzten und wieder zu einem eher atypischen Song für die 4 Alternative-Rocker. Sehr poppige Einflüsse machen dieses Werk zu einem Ohrwurm und zeitgleich auch zu einer Art Hymne. Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich hier um Liebesgeständnis. Dabei macht der gekonnte Wechsel zwischen leicht melancholischen und aufbauenden Vibes diesen Track, trotz seiner Einfachheit, so interessant und zu einem gekonnten Abschluss der neuen LP. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das eine Live-Hymne werden könnte. Nach 3:12 ist das letzte Stück vorbei und ich lasse nochmal alles wirken.


Fazit:

Mit ihrem sechsten Studio-Album haben die vier Jungs von „Billy Talent“ wieder einige hervorragende Songs geschaffen. Die Gitarrenarbeit sticht für mich, genau wie auch die Stimmliche Arbeit am meisten heraus und macht für mich in Summe den so beliebten Sound der Band aus. Mit einer kleinen Ausnahmen holen mich alle Songs der LP ab und erzählen - genau wie ich es liebe - eine Geschichte die sich in allen Facetten des jeweiligen Werkes widerspiegelt. Auch die neuen musikalischen Einflüsse stehen dem Quartett sehr gut und halten die LP spannend. Zusammengefasst kann ich die Scheibe also ausnahmslos Jedem empfehlen der auf abwechslungsreichen Alternative-Punk-Rock steht und „Billy Talent“ schon immer gerne hört. Aber auch Neueinsteiger und Fans von experimentelleren Stilrichtungen kommen auf diesem Album definitiv auf ihre Kosten.

Mein Album der Woche

„BILLY TALENT - CRISIS OF FAITH“

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